Elektroauto vs. Verbrenner

Warum die E-Mobilität nicht alle unsere (Mobilitäts-)Probleme löst, ich aber trotzdem überzeugter E-Autofahrer bin.

(GV Horst Köpfelsberger)

Vorausschicken möchte ich, dass das Elektroauto nicht grundsätzlich DIE Lösung unseres Mobilitätsproblems ist. Wenn wir unser momentanes Mobilitätsverhalten eins zu eins auf elektrisch umstellen, werden wir ein ziemliches Problem haben. In Wahrheit geht es darum, dass unsere Mobilität mit weniger Individualverkehr, mehr Carsharing und Öffis, Rad und zu Fuß neu gestaltet werden muss. Ich bin davon überzeugt, dass (vor allem in ländlichen Gebieten) intelligente Elektromobilität ein Teil der Lösung sein kann. Um das zu zeigen, möchte ich – selber seit einem Jahr E-Autofahrer – die Vor- und Nachteile kurz darstellen. Die Aufstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellt natürlich keine wissenschaftliche Abhandlung dar – allerdings war die Abwägung dieser Argumente entscheidend für meine Kaufentscheidung pro Elektroauto.

Bei Fragen, Anregungen oder Kritik mailt mich einfach an: horst@zukunft-koppl.at.

Die Elektromobilität verfolgt aus meiner Sicht in erster Linie folgende Ziele:


1. Senkung des Energieverbrauchs pro Kilometer

Grafik 1 : Energieverbrauch auf 100 Kilometer

2. Reduktion der lokalen Emissionen, v.a. Luftschadstoffe und CO2


3. Umstieg auf Erneuerbare Energien im Bereich Mobilität

Produktion

Das Elektroauto belastet aufgrund des Akkus in der Herstellung die Umwelt mehr als ein Verbrenner, was sich im Betrieb nach einer gewissen Zeit aber umkehrt.

Quelle TA-SWISS 59/2013, TA-Swiss

Das Elektroauto hat in der Produktion den Nachteil, dass der Akku hergestellt werden muss, es hat also gegenüber dem Verbrenner einen zusätzlichen „Rucksack“ an CO2, Energiebedarf und Schadstoffen – auch die Gewinnung von Rohstoffen ist teilweise problematisch (wobei das – ohne das relativieren zu wollen – egal ist, ob Verbrenner oder Elektroauto, Nahrung oder Kleidung, wir leben auf Kosten der ärmsten Länder – das gehört dringend verbessert). Der Verbrenner kommt dagegen mit dem leeren Tank, da schaut es auf den ersten Blick natürlich besser aus. Jedoch ist der Motor des Verbrenners auch viel komplexer, es müssen mehr Teile hergestellt und produziert werden (Motorblock, Katalysator, Auspuffanlage etc.). Trotzdem steigt hier das Elektroauto aufgrund des Akkus klar schlechter aus, wenn es erstmals in Betrieb genommen wird. Wobei sich hier bei der Entwicklung in den nächsten Jahren sicher einiges verbessern wird (Weiterentwicklungen im Akkubereich, Ausbau Erneuerbarer Energien auch bei der Akkuproduktion).

Klar ist auch, je größer der Akku (und damit auch die Reichweite), desto größer der ökologische „Rucksack“. Aber das kennen wir ja bei konventionellen Antrieben auch, ein Kleinwagen ist in der Herstellung ökologisch weniger schädlich als ein Luxus-SUV. E-Autos sind in der Anschaffung teurer als vergleichbare Verbrenner, allerdings im Betrieb deutlich günstiger (siehe unten Grafik rechts).

Betrieb

Über 97% des Erdölbedarfs wird in Österreich importiert. Wenn man energieautark werden möchte (Salzburg 2050) führt an Elektromobilität kein Weg vorbei – bei der Vermeidung von CO2 und dem Umstieg auf erneuerbare Energieversorgung auch nicht (Klimaschutz).

Das Elektroauto wird (idealerweise) mit Ökostrom geladen, der Verbrenner mit Benzin oder Diesel betankt. Von der Förderung, über Transport, Raffinierung und Verbrennung ist Erdöl ein einziges ökologisches Desaster, von den politischen Auswirkungen in den Förderländern ganz zu schweigen. Das Freisetzen von CO2 bei der Verbrennung heizt den Klimawandel an, Förderung, Transport und Raffinierung benötigen enorme Mengen an Energie, Abgase verpesten die (Atem-)Luft (was zu vielen Atemwegserkrankungen und frühzeitigen Todesfällen führt). Zudem sind Verbrennungsmotoren im Vergleich zur Elektrovariante sehr ineffizient (v.a. bei Kurzstrecken, die 80% unserer Autofahrten ausmachen). Während beim Elektroauto rund 80% der eingesetzten Energie in Bewegung umgesetzt wird, sind es beim Verbrenner magere 30%, der Rest ist v.a. Abwärme. Noch schlechter schaut es aus, wenn man die Energieerzeugung mit einrechnet, dann bleiben beim Verbrenner nur magere 15% übrig. Ein schlechter Wirkungsgrad ist übrigens auch DAS Argument gegen Wasserstofffahrzeuge im Privatbereich. Hybrid- und Plugin-Antriebe sind zwar besser, aber mir erschließt sich der Sinn nicht ganz, zwei Systeme spazieren zu fahren (und sie erzeugen, warten, betanken und entsorgen zu müssen).

Beim Elektroauto kann ich wählen, mit welchem Strom ich lade. Ich kann also zu Hause Ökostrom beziehen und eine PV-Anlage am Dach haben – und damit die ökologischen Schäden weiter reduzieren, indem ich z.B. das Auto vorzugsweise dann lade, wenn ich Sonnenstrom vom Dach erzeuge. Das kann ich beim Erdöl nicht – es gibt einfach keinen Diesel mit Nachhaltigkeitszertifikat ;-) … Die Stromerzeugung durch regionale erneuerbare Energien ist hier besonders wichtig. Hier gehört auch die Infrastruktur verbessert, aber da rede ich nicht von Höchstspannungsleitungen, sondern v.a. von der mittleren und regionalen Ebene. Die momentane Ladeinfrastruktur ist für mich persönlich bei weitem ausreichend, es wird aber notwendig sein, diese weiter auszubauen und v.a. baulich bereits jetzt bei Wohnhäusern und der Infrastruktur mitzuplanen, wenn es mehr Elektroautos geben soll.

Vorher habe ich bereits erwähnt, dass größere Akkus einen größeren „Rucksack“ haben, deswegen muss man bei der Reichweitendiskussion auch immer das individuelle Fahrprofil mitdenken. Mein Elektroauto hat einen vergleichsweise kleinen 28 kWh-Akku, der durchschnittlich 200 km reicht (im Sommer deutlich drüber, im Winter je nach Temperatur deutlich drunter). Damit decke ich 99% meiner Fahrten ab.

Für weitere Strecken kann ich (mit etwas Planungsaufwand und regelmäßigen Pausen) mittels öffentlichem Schnellladen (Ladedauer ca. 20–30 Minuten) auch sehr viel weiter fahren (oder aber wenn möglich stattdessen gleich den Zug nehmen). Häufiges Schnellladen schadet aber dem Akku, deshalb hänge ich mein Auto daheim an die Ladestation, wo es bei 3 kW langsam geladen wird. Im Sommer natürlich dann, wenn die Photovoltaik Saft gibt, im Winter vorzugsweise, wenn im Netz ohnehin Stromüberschuss im Netz herrscht, also nach Mitternacht. Dort wird es in ca. 10 Stunden vollgeladen, wenn es einmal wirklich komplett leer sein sollte, d.h. ich lade je nachdem ein bis dreimal pro Woche. Der zusätzliche generelle Strombedarf im Netz bei der Umstellung auf Elektroautos relativiert sich, weil es erstens eine lange Übergangsphase geben wird, bis ein Großteil der Autos elektrisch fahren und die Bereitstellung fossiler Treibstoffe auch sehr viel Energie (Transport, Raffinierung, Bereitstellung, Erzeugung von Zusatzstoffen wie AdBlue) benötigen, die dann im Gegenzug reduziert werden. Trotzdem heißt das Ziel natürlich Energie sparen, Verbrauch reduzieren.

Momentan sind Elektroautos steuerlich sehr begünstigt, in Österreich zahlt man keine Normverbrauchsabgabe, keine Motorbezogene Versicherungssteuer und bis vor Kurzem waren viele Ladestationen kostenlos. Man muss allerdings kein Hellseher sein: Das wird sich ändern (außer die Bundesregierung packt endlich das Thema Ökologisierung des Steuersystems an, aber da habe ich meine Zweifel). Also nur aus finanziellen Gründen umzusteigen, wird sich mittelfristig vermutlich nicht lohnen. Trotzdem möchte ich noch einen Punkt anführen, nämlich die notwendige Wartung: Der Elektromotor ist quasi wartungsfrei, es entfallen Ölwechsel und der regelmäßige Austausch diverser Verschleißteile, was wiederum die Umwelt und die Geldbörse schont – ein Aspekt, der bei Verkaufsgesprächen in Autohäusern gerne verschwiegen wird ;-) … Lediglich z.B. die Bremsscheiben sind hin und wieder auszutauschen, aber diese auch seltener, da das Elektroauto vorwiegend mit dem Motor bremst und die damit gewonnene Energie wieder zurück in die Akkus leitet.

Entsorgung

Akku-Wertstoffe können wiederverwendet werden, da keine wertvollen Rohstoffe „verbrannt“ werden müssen. 

Nachdem die Akkus nur mehr ca. 80% Ladeleistung haben (mein Hersteller garantiert das für 8 Jahre bzw. 200.000 Kilometer), gelten sie im Elektroauto als unbrauchbar und werden ausgebaut. Dann kann er noch längere Zeit als stationärer Speicher weiterverwendet werden (z.B. für Photovoltaikanlagen). Wenn er dann entsorgt werden muss, werden die Stoffe getrennt und zu einem großen Teil wiederverwertet. Verfahren dazu befinden sich – zugegeben – allerdings aufgrund der noch geringen Anzahl der defekten Akkus in der Testphase (z.B. Firma Saubermacher nahe Graz). Wichtig ist, hier wirklich auch rasch politisch entsprechende Verpflichtungen einzuführen, damit die Akkus nicht den Weg gehen müssen, den heutzutage viele unserer Handy-, Tablet-, Computer- und E-Bike-Akkus gehen, weil wir unseren Elektroschrott (oder ausgemusterte Verbrenner) irgendwo in Afrika entsorgen, nach dem Motto aus den Augen aus dem Sinn … 

Mein Fazit

Eigenes Mobilitätsverhalten analysieren, Öffis, Rad, Füße nutzen und NUR bei einem anstehenden Neukauf ein E-Auto in Erwägung ziehen. 

Wichtig ist, das eigene Mobilitätsverhalten realistisch einzuschätzen, falls ein Autokauf ansteht. Wobei für Privatpersonen die Faustregel gilt, ein Elektroauto ist ökologisch schlechter als kein Auto zu besitzen, aber (meist) weniger schädlich als ein Verbrenner (außer man fährt einen Kleinwagen sehr wenig, siehe Grafik unten). Und: Je länger ein bestehendes Auto genutzt wird, desto ökologischer, egal ob elektrisch oder Verbrenner. Wenn es um lokale Emissionsfreiheit, erneuerbare Energieerzeugung und Energieeffizienz geht, hat der Elektromotor einfach unschlagbare Vorteile gegenüber dem Verbrenner. Die Reichweite wird in der Diskussion völlig überbewertet (außer natürlich für AußendienstmitarbeiterInnen und FrächterInnen ;-) …). Das alles sind die Gründe, warum ich mich als Durchschnittsfahrer für ein E-Auto entschieden habe, auch wenn natürlich noch einige Rahmenbedingungen dringend verbessert gehören. Ein Schritt in die richtige Richtung ist es für mich allemal.

P.S. Bei dem Thema würde ich mir eine sachlichere Debatte wünschen. Wie oben geschrieben, ist die Elektromobilität nicht DIE Lösung ohne Nachteile. Auffällig ist aber, dass immer wieder dieselben (großteils widerlegten) Studien und Geschichten die Runde machen, die dann noch dazu suggerieren, dass ohnehin andere am Problem schuld sind oder es überhaupt grundsätzlich leugnen. Deshalb bitte einfach informieren und dann für sich selbst die Schlüsse daraus ziehen. Bei Fragen einfach melden – ich hoffe, ich kann helfen.

Weiterführende Infos:

Interaktiver Vergleich zwischen Diesel und Elektroauto
Faktencheck Energiewende (Web)
Faktencheck Energiewende (PDF)
Warum nicht auf Brennstoffzelle oder Treibstoffe aus Wasserstoff warten
Elektromobilität im ländlichen Raum
Energie für erdölfreie Mobilität
Diesel vs. Elektromobilität – Energiebedarf
Wird laufend ergänzt

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